Mitgliederrundbrief - März
Stellen Sie sich vor, ein generöser Bürger möchte seiner Stadt eine umfangreiche und über die Stadtgrenzen bekannte Kunstsammlung spenden. Dazu will er sein Vermögen in eine Stiftung einbringen, damit diese Sammlung auch in Zukunft auf einem stabilen finanziellen Fundament steht. Sie riefen: „Wunderbar!”, sprängen vor Freude in die Luft und rollten dem Mäzen schon einmal den roten Teppich aus, damit er es sich nicht noch einmal anders überlegt. Nicht so in Lüdenscheid!
Nein, hier behält der Bürgermeister diese Nachricht erst einmal für sich. Er lässt nach vielen Tagen dem Spender mitteilen, dass man nicht wüsste, ob die Stadt dieses Geschenk überhaupt annehmen könne. Schließlich seien die Sparer der Bezirksregierung im Haus. Man wisse ja nicht einmal, ob man die Galerie an sich noch retten könne. Das war kein Schlag ins Gesicht, eher die Faust in der Magengrube, die da Herr Crummenerl, eigentlich Parteifreund unseres Bürgermeisters, gespürt haben muss. Es ist ja nicht nur die Unverfrorenheit, mit der Herr Dzewas engagierten Bürgern gegenübertritt. Es ist vielmehr die unfassbare Ignoranz, mit der er Kunst und Kultur behandelt. Die Galerie könnte ein wesentlicher Faktor zur Festigung einer städtischen Identität sein. Mit den Künstlern Ida Gerhardi und Paul Wieghardt haben wir sogar unsere eigenen „Stadtheiligen”, die weit über die Grenzen der Stadt und des Landes bekannt sind. Die kommende Ausstellung von Ida Gerhardis Werken wird das eindrucksvoll bestätigen.Städtisches Leben findet nicht nur auf Kunstrasenplätzen statt. Stadt lebt von den unterschiedlichen Lebensstilen und Lebensräumen. Wer mit der Axt im Wald der bildenden Künste tobt, darf sich nicht wundern, wenn sich die Anzahl der Auswanderer und Pendler weiter erhöhen wird.
Ebenso unverständlich war auch das große Schweigen von Herrn Dzewas bei der Rückkehr der ehemaligen Baudezernentin Ziemann. Vor Monaten habe sie bereits den Bürgermeister informiert, weit vor der Diskussion über die neue Fachbereichsstruktur. Warum hat dann der Bürgermeister den Rat nicht unterrichtet? Warum wussten nicht einmal seine Wasserträger Diller und Holzrichter von dieser wichtigen Nachricht? So durfte der Rat, immerhin oberster Souverän der Stadt, wochenlang über eine Reform sprechen, die zu der Zeit schon obsolet war. Nachdem es dann raus war, dass Frau Ziemann dann tatsächlich zurückkommt, musste flugs ein neuer Fachbereich her. Wäre ich Ratsherr, ich käme mir mehr als veräppelt vor. Sicherlich fragen Sie sich wie ich, warum unser Bürgermeister den Rat nicht informiert hat. Ehrlich? Ich weiß es nicht. Aber es zeigt eine unglaubliche Einstellung gegenüber den gewählten Vertretern der Stadt. Die eigene Partei wird Herrn Dzewas sicher nicht kritisieren. Herr Holzrichter von der FDP scheint von einem seltsamen Gefolgsvirus befallen zu sein. Es lässt sich einfach nicht erkennen, was hier noch liberale Politik sein soll. Und die Grünen finden eigentlich gar nicht mehr statt. Gut, dass wir mit unserem Fraktionsvorsitzenden Oliver Fröhling jemanden haben, der alle Finger in die Wunde legt.
Wenn diese Seifenblasenkoalition so weiter macht, wird Lüdenscheid, die Stadt des Lichts, eher die Stadt, wo das Licht ausgeht…
Ich möchte Sie besonders auf unseren ersten Politischen Frühschoppen am Sonntag, 15. April 2012 ab 11:00 Uhr im Brauhaus hinweisen. Dr. Matthias Heider MdB wird diese neue Veranstaltungsreihe eröffnen. Ich spende das erste Fässchen und freue mich auf eine zünftige Diskussion.
Ihr
Ralf Schwarzkopf