Bezugnehmend auf den Titel des Buches der 2010 verstorbenen Berliner Jugendrichterin Kirsten Heisig, „Vom Ende der Geduld“, fand am Dienstag eine sehr interessante Podiumsdiskussion im Lüdenscheider Kulturhaus statt. Grundlage der Diskussion war Heisigs Forderung für ein konsequentes Vorgehen gegen jugendliche Straftäter.
v.l.n.r.: Peter Alte, Thomas Gemke, Thorsten Schick und Ralf SchwarzkopfNach den einführenden Worten des Parteivorsitzenden Ralf Schwarzkopf, der feststellte, dass seit dem Erscheinen des Buches nicht viel passiert ist, wie an den Übergriffen der Silvesternacht am Kölner Hauptbahnhof zu sehen, folge die lebhafte Diskussion mit den Podiumsgästen dem ehemaligen Amtsgerichtsdirektor Peter Alte, Landrat Thomas Gemke sowie dem Iserlohner Landtagsabgeordneten Thorsten Schick. Ebenso beteiligte sich das Publikum an der regen Diskussion.
Als erste Wortmeldung brachte es der ehemalige Bürgermeister Friedrich-Karl Schmidt auf den Punkt: „Mangelnder Respekt ist das Grundübel aller Übergriffe!“
Thorsten Schick bestätigte die um sich greifende Respektlosigkeit, was eben auch zur Folge hat, dass die Einsatzkräfte der Polizei mit Körperkameras ausgerüstet werden sollen, die diese vom Vorwurf eines Fehlverhaltens entlasten sollen. Solche Kameras sind allerdings in Nordrhein-Westfalen nicht im Einsatz. Deutliche Kritik übte Schick hier an der Landesregierung, die somit der Sicherheit der Beamten nicht ausreichend nachgehe.
Auch Landrat Thomas Gemke stimmte zu, dass schlechte Vorbilder und mangelnder Respekt vor Autoritäten im öffentlichen Leben ein Grund für steigende Übergriffe sind.
Ebenso bestätigt Peter Alte aus Sicht eines Richters, den Verfall von Werten und oft Perspektivlosigkeit als gesellschaftliches Problem. Positive Vorbilder von Kindesbeinen an, also im Elternhaus, würden immer häufiger fehlen.
"Wer früh lernt, dass er Regeln übertreten kann, der wird später auch Grenzen ausreizen“, so Ralf Schwarzkopf. Das beginne schon beim Rauchen am Bahnhof oder dem Wegwerfen von Kaugummi in der Fußgängerzone.
Schick unterstreicht diese Beobachtung mit dem Hinweis auf ein hohes Armutsrisiko in NRW.
Peter Alte zeigte auf, dass ein Fordern von generell härteren Strafen nicht richtig sei. Es gehe immer darum, den ganzen „Fall“ zu betrachten. In der öffentlichen Wahrnehmung werden viele Strafverfahren oft verkürzt wiedergegeben und vernachlässigen eben oft die Hintergründe.
Lösungen sahen die Politiker besonders in der Abschreckung bei jugendlichen Straftätern. Hier zu nennen die Intensivtäterprogramme, bei denen die jugendlichen etwa ein Gefängnis besichtigen oder regelmäßige Kontrollbesuche von der Polizei erhalten.
„So heißt es wachsam bleiben und ein Bewusstsein für die deutsche Rechtsordnung schaffen und sie auch positiv vertreten“, so der CDU Landrat.
Wir können stolz auf unseren Rechtsstaat sein, der nicht ersthaft in Gefahr ist, so der Tenor des Abends.