„Migration“ und „Integration“ - CDU diskutiert mit türkischen Unternehmern und Eltern
Die CDU vertrat durchaus keine irgendwo „rechts”angesiedelte Positionen. Ja, sogar Fehler der Vergangenheit zum Thema Hilfen für Ausländer wurden frank und frei eingestanden: „Wir haben jahrelang gepennt!” Und die so plötzlich nach dem Sarrazin-Werk aufgeflammte zuweilen hysterische Diskussion konnten weder Gastgeber noch Gäste so recht nachvollziehen.
Man war sich einig, dass das Zusammenleben in Lüdenscheid doch seit langer Zeit recht gut funktioniere, wenn auch, irgendwie auch verständlich, eine gewisse Ghetto-Bildung nicht zu leugnen wäre. Schließlich lebte man nicht in Großstadt-Brennpunkten, wo aufkeimendes Unwohlsein durch Chancenlosigkeit für die Zukunft öfter mit Gewalt beantwortet würde.
Auch das Wort „Migration” behagte vielen Gästen überhaupt nicht: Es meldeten sich Männer und Frauen zu Wort, die seit Jahrzehnten in Lüdenscheid leben, den deutschen Pass besitzen, seit das überhaupt möglich ist, die Deutsch ohne Akzent sprechen, ihre Kinder fördern, wie es nur geht - und dennoch noch öfter als „Migrant” bezeichnet werden.
Die anwesenden jungen Mütter vom Elternverein haben das Kunststück fertiggebracht, ihren Kindern durch perfekte Vermittlung von Deutsch und Türkisch eine gute Lebensgrundlage mit auf den Weg zu geben.
„Wir sind hier geboren, aufgewachsen, haben einen deutschen Pass, essen und leben wie Sie, „plädierte leidenschaftlich Songül Özmen, die sich, ebenso freiwillig wie elegant, mit einem Kopftuch bedeckt - und sich deswegen immerwährend denselben Fragen ausgesetzt und bedrängt fühlt: „Wir sind doch keine Außerirdischen, wir sind ganz normal!”
Vorsitzender Ralf Schwarkopf schwärmt von einer jungen Praktikantin „mit Migrationshintergrund”, die nach einer ähnlichen Veranstaltung vor der Landtagswahl in seine Firma kam: „Die ist wunderbar frisch und frech, so was brauchen wir!” Auf die Linken-Forderung nach Wahlrecht für alle wurde, auch von den Gästen, mit Hinweis auf diese Möglichkeit durch Erwerb des deutschen Passes reagiert.
„Was ist eigentlich deutsche Leitkultur?” fragte Hüseyin Alkac, Vorsitzender
des Türkischen Elternvereins, der die Thematik eher philosophisch anging: „Ich fühle mich auch nach 40 Jahren hier manchmal umzingelt, ich will nicht auf das Einwanderer-Dasein reduziert gesehen werden. Mein Interesse gilt denselben Dingen wie Ihres, ich fahre wie Sie über schlechte Straßen und ärgere mich wie Sie. Wir haben nur ein einziges Leben, das wir mit möglichst hoher Qualität leben wollen, wie Sie auch. Das Thema ist keine Einbahnstraße, es ist nicht leicht, seine Wurzeln abzugeben. Ich lebe gerne hier und bin bereit, mich als Deutscher zu bezeichnen - aber sind Sie es auch?”